Florian Rietze
Traces Album

Interview &
Background

Florian Rietze Interview Farbe

Florian Rietze veröffentlicht Traces auf Male Cmos

Nachdem Florian Rietze mit Luca Musto in 2016 die Tipping Point EP bei Amselcom veröffentlicht hat begann seine Reise nach Myanmar und auch eine Reise in sein Innerstes wo er viele Erfahrungen über sich, die Musik die er macht und das Leben in der Szene gemacht hat. Wir haben lange auf seine Rückkehr gewartet und freuen uns jetzt umso mehr sein neues Album zu veröffentlichen.
 
Traces ist ein sehr persönliches Album. Es erzählt eine Geschichte von Einsamkeit, Selbstzweifel und der Suche nach sich selbst.
Viele der Stücke sind in Einsamen und aufgewühlten Phasen entstanden.
 
2018 bekam ich eine Managementanfrage aus den USA woraufhin ich viel Arbeit in dieses Album steckte. Es wurden Demos versendet, doch fehlte mir der Mut und die Entschlossenheit einen Schritt weiter zu gehen. Gleichzeitig lies mich diese Möglichkeit reflektieren, ob eine Karriere als Jetset-DJ tatsächlich der richtige Weg für mich sei. Zu realisieren, dass es mich die letzten Jahre, trotz vieler Gigs und gutem Erfolg nicht ausgefüllt hatte, und das die Szene viele Aspekte enthält, mit denen ich mich nicht identifizieren kann, ließen mich schließlich zurück rudern. 
 
Meine damalige Freundin, die auch einen Platz auf dem Album hat, war einen wesentlicher Auslöser für meine intensive Phase der Selbstreflexion.
 

Florian Rietze Interview S/W

Ich entschloss mich dafür etwas ganz anderes zu machen

und verbrachte den Sommer in den Schweizer Alpen um dort als Koch in einer Berghütte zu arbeiten. Fernab von Großstädten und Elektronischer Musik fühlte ich mich gelöster und hatte mal Zeit zum Durchatmen.
 
Ich war schon lange unzufrieden mit dem Tempo und dem Druck der im Musikbusiness (ich mag diesen Begriff nicht) vorherrscht. Es geht viel um Zahlen, Fame und Status. Das ist ein Problem das deutlich tiefer sitzt, daran krankt unsere gesamte Gesellschaft. Die Konsequenzen sind auf allen ebenen Fatal und es wird deutlich, dass das Individuum wichtiger ist als das Kollektiv. Ich bin in der DDR geboren. Ich weiß nicht ob das eine Relevanz hat, aber mir wurden Werte wie Gemeinschaft, Genügsamkeit und die Bereitschaft des Teilens mitgegeben. Höher schneller weiter, hat mich das auf Dauer depressiv und unzufrieden gemacht.
 
Florian Rietze Interview Close
Irgendwie habe ich das Gefühl, dass gerade in der Clubmusikszene eine Wahnsinnige Oberflächlichkeit herrscht und das Tempo extrem hoch ist. Musik hat leider eine immer geringer werdende Halbwertzeit. Instagram und tausende Smartphones vor unseren Augen als Künstler sprechen ebenfalls für sich. Wie möchte ich einen Moment intensiv und nachhaltig erleben, wenn meine Instagram-Story wichtiger ist als der Moment an sich? Trotz des teilweise angesammelten Frusts, sollte man natürlich nicht alles verteufeln, was mit social media und internet zu tun hat. Nicht zuletzt hat mir das internet viele Türen geöffnet und die Möglichkeit gegeben international Aufmerksamkeit und auch Gigs zu bekommen. Ich glaube am Ende ist es wichtig, dass die Dinge im Gleichgewicht sind.
 

Die intensive Auseinandersetzung

mit mir und meiner musikalischen Identität haben mich zurück an den Punkt gebracht, aus dem ich irgendwann mal angefangen habe Musik zu machen. Nicht für Follower-Zahlen, nicht für Geld oder für meinen Status in der Welt von social media. Sondern als Notwendigkeit mich der Welt mitzuteilen. Als etwas schönes, was natürlich fließt. Emotionen zu kanalisieren und die Menschen damit in ihren Herzen zu berühren. Und um das authentisch und wirklich echt realisieren zu können, muss jegliche Form von Druck und Erwartung aussen vor bleiben. Musik im Fluss des Lebens. Und das Ergebnis ist dieses Album. Es ist kein Album, dass mich an die Spitze der Beatport-Charts katapultieren soll. Es geht hierbei nicht nur um Florian Rietze den Musiker, sondern vor allem um den Menschen, der dahinter steckt. Der genau wie jeder Andere mit seinen Schatten zu kämpfen hat. 
 
Florian Rietze Interview Portrait
 
Daher auch die Entscheidung es nicht nur auf allen gewohnten Kanälen anzubieten sondern dem Hörer auf Bandcamp die Entscheidung zu überlassen wieviel er dafür gibt. Und darüber hinaus alle Einnahmen an Kinder zu spenden, die es wirklich nötig haben. Wir leben im Überfluss. Geben ist so einfach, und so viel schöner als immer nur zu nehmen. Kinder sind unsere Zukunft, ob in Myanmar oder in Deutschland. Deswegen kann jeder soviel geben wir er möchte und es wird an einem Ort ankommen wo es gebraucht wird: http://muditafoundation.de
Traces is a very personal album. It tells a story about loneliness, self-doubt and the seeking of one’s self. Many of the pieces have been written during lonely and turbulent phases.
 
In 2018 I received a management request from the US which gave me a decent push to work on this album. Demos have been sent to labels, but I knew that I had a lack of courage and determination to push forward at that time. At the same time, this opportunity caused a phase of self-reflection. I asked myself honestly, if I really want to follow the path of being a jetset-DJ. To realize that the last years didn’t fulfill me – even though I had a decent number of gigs and okay success. The scene carries a lot of aspects which I couldn’t identify with. This led me to paddle back.
 
My then-girlfriend who also has a space on this album was another important part of my intense self-refection.
 
I was reaching a point where I decided to do something completely different. I spent the summer of 2019 in the Swiss alps working in an alpine hut as a chef. Far away from big cities and electronic music, I felt detached and could finally breath freely.
Since a long time I have been unsatisfied with the tempo and the pressure which is present within the music business (I don’t like this term). It’s a lot about numbers, fame and prestige. This is a problem, which is going deeper. Our whole society is suffering from this. The consequences are crucial on many levels and it’s obvious that the individual is more important than the collective. I was born in the GDR. I don’t know, if that matters, but we embodied values such as community, modesty and the will of sharing throughout our childhood. Higher, faster further. With time, this made me depressed and unsatisfied.
 
Somehow I have the feeling that there is a high amount of superficiality within the club music scene. The half-life of music seems to perpetually shrink. Instagram and thousands of smartphones in front of the DJ booth speak for themselves. How can we experience a moment intensely and sustainably if our Instagram-story is more important than the moment itself? Despite a lot of frustration, not everything related to social media should be claimed as evil. The internet opened many doors for me and gave me the possibility to get international attention and even gigs. I think in the end it’s all about balance.
 
The intense reflection and my musical identity brought me back to the point – why I once starting making music. Not for followers, not for money or my status in the cosmos of social media, but as a necessity to express myself. As something beautiful which is flowing naturally. To channel emotions and touch human hearts. To realise this in an authentic manner, any kind of force and expectation has to be diminished. Music is the flow of life and the result is this album. It’s not an album which should put me on top of the Beatport charts. It’s not only about Florian Rietze the musician, but also about the human behind it, who has to fight with his shadows like everyone else.
 
That’s why I decided to leave it to the listeners how much they pay for the release. Apart from that, I’ve decided to donate all income raised with the sales of the album. We are living in abundance. Giving is so simple and even more fulfilling than only receiving. The kids are our future. May it be in Myanmar or in Germany. That’s why everyone should give as much as they want and it will arrive to a place where it’s really needed.